Ein Schicksalsschlag – Und plötzlich ist alles anders

Der 20.06.2009 war mein Unglückstag. Und ich habe es vorher gespürt…

Ich wuchs mit Motorrädern auf

Cathy auf einem Motorrad (nicht die verunfallte Maschine)

Zu dieser Zeit war ich 20 Jahre alt.
Jung, dynamisch und etwas eingebildet – ja fast schon arrogant. Ich bin mit dem Motorradfahren aufgewachsen. Meine Eltern hatten beide eines. Mein Opa auch. Und wir Kids hatten ein Yamaha Crossbike, das es auf gute 80km/h gebracht hat. Ich hatte nie Angst vorm Motorradfahren.

Im Juni 2009 entdeckte ich das Motorradfahren anders. Ich lernte Jemanden kennen, der ein Superbike hatte. Eine Suzuki GSX R 1000. Ein super schnelles Bike. Geile Farbe, cooler Typ. Mir war das unglaublich wichtig zu der Zeit. Das Aussehen, die Schnelligkeit, die Besonderheit. Ich fand es super cool. Der Adrenalinkick war wie eine Droge.

Ich wusste, dass etwas schiefgehen wird

Steck` du mal mein Handy ein. Dann geht es nicht kaputt, wenn wir einen Unfall haben!
…sagte ich zu ihm und grinste als wir uns auf das Bike setzten

Es war schon eine komische Stimmung zwischen ihm und mir, als wir losfuhren. Eigentlich sogar schon vorher. Wir hatten einen Tag vorher abgemacht nicht mehr zusammen zu fahren. Mein Vater hat auf mich eingewirkt. Er hatte auch ein komisches Gefühl und sagte: „Es ist jetzt so lange gut gegangen. Es reicht nun auch!“ Recht hatte er. So gab ich einen Tag vorher die Lederkombi meiner Freundin Franzi zurück. Da aber die Stimmung zwischen dem Fahrer und mir so komisch war, entschieden wir, es wäre vielleicht eine gute Idee zu fahren, um gute Laune zu kriegen.

Ich sah kurz vor dem Unglück noch meine ganze Familie

Ein Grossteil meiner Familie lebt in Frankreich. Sie waren aber zu der Zeit grad in Deutschland im Garten meiner Oma. Dort fuhren wir hin und aßen ein Stück Kuchen zusammen. Alles war entspannt und schön. Dann wurde aber der Himmel immer dunkler und ich sagte

Wollen wir nicht mal los? Der Himmel wird immer dunkler. Ich will nicht nass werden!

Abends hatten wir nämlich eine Party geplant. In seinem Haus auf dem Dorf und ich war schliesslich schon geschminkt. Wäre ja eine Katastrophe… Also packten wir unsere Sachen, verabschiedeten uns, da meine Familie abends wieder nach Frankreich fuhr.

Der Himmel wurde richtig schwarz

Ja, es wurde immer dunkler. Wir schafften es bis kurz vor das Haus und dann ging der Regen los. Tatsache war es nicht nur Regen, sondern auch Hagel. So ein richtiges Sommerunwetter! Ich versteckte meinen Kopf hinter ihm (sonst schaute ich immer an ihm vorbei), da der Regen ins Visier kam und mein Makeup ruinierte. Ging ja gar nicht.

Der Regen wurde immer stärker, aber wir waren auf dem letzen kleinen Landweg vor dem Haus. Es waren keine 700m mehr. Dort war auch nichts außer einem Bauernhaus und ein tiefer Graben neben der Straße.

Ich wachte im Krankenwagen auf

Kann ich bitte eine Telefonnummer von Mama oder Papa haben, damit wir jemanden informieren können?

Ich sagte nur:“ Nein! Sie dürfen es nicht wissen. Sonst machen sie sich Sorgen. Irgendwie gab ich der Polizistin dann doch die Nummer meines Vaters.

Wir rutschten mit dem Motorrad weg, weil ein Reh aus dem Wald kam mit uns kollidierte. Ich spüre noch immer den „Schwung“ in meinem Körper, kurz bevor ich auf dem Boden und mit dem Kopf auf einer Wurzel aufprallte.

Der Fahrer ging zum Bauern, da unsere Handys wohl beide nicht mehr funktionierten oder es keinen Empfang gab. Ich lag währenddessen bewusstlos im Graben. Nun war die Party wirklich vorüber. Und das Makeup auch hin.

Der Krankenwagen kam und ich lief bereits vorher schon mit meinem Helm in der Hand dem Fahrer entgegen, lächelte und fragte, ob wir denn noch pünktlich zur Party kämen. Verrückt, was man so im Schock macht.

Ich wollte immer mal mit dem Hubschrauber fliegen. Aber so?

Im Krankenwagen war mein Outfit komplett zerrissen (Ich trug ja keine Lederkombi, da ich sie einen Tag vorher meiner Freundin Franzi zurückgab). Ich war super sauer und sagte:“ Klasse. Der Sommer kommt und ich seh so aus. Das sieht doch im Bikini total bekloppt aus!“ Gott, wieviel Wert ich auf mein Aussehen legte – furchtbar aus heutiger Sicht. Aber es war ein Teil von mir. Ich hatte etwas zu lernen. Tschau Ego!

Wir fuhren nach Waren Müritz ins Krankenhaus. Eine Halskrause trug ich dabei. In der Notaufnahme stand plötzlich mein Vater bei mir. So traurig sah ich ihn noch nie. Dann erst begriff ich, dass wohl mehr passiert sein muss. Sie schoben mich durch einige bildgebende Verfahren, um zu schauen, ob ich innere Verletzungen hatte. Der Bauch war aufgerissen. Es war möglich, dass meine Organe in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dem war Gott sei Dank nicht so.

Leider war es noch schlimmer. Meine Halswirbelsäule hatte einige Frakturen im Bereich 3. und 4. Halswirbel. Also wurde ich mit dem Hubschrauber nach Plau am See geflogen. Dort gibt es Spezialisten für die Wirbelsäulenchirurgie. Im Hubschrauber streichelte jemand die ganze Zeit meine Hand und der Pilot kannte mich sogar noch durch meine Mutter. Sie hat Flugstunden bei ihm genommen vor ein paar Jahren. Ich erinnere mich aber nur an Gesprächsfetzen. Später sagte er, es sei einer seiner schwierigsten Flüge gewesen. Einerseits weil er mich kannte und andererseits weil es immer ein großes Risiko ist Patienten mit Wirbelsäulenverletzungen zu fliegen. Eine heftige Bewegung und die Person ist an den Rollstuhl gebunden. Was für eine Verantwortung. Danke für den sicheren Flug, Holger!

Dann ging es zügig in den OP

Op Catharina Wietelmann 20.06.2009

Dann lassen Sie uns doch mal einen Termin zur OP ausmachen!

Das habe ich echt gesagt, denn ich dachte, ich müsse wiederkommen. Ich war immer noch total geschockt und konnte die Situation gar nicht einschätzen. Ich wurde dann direkt operiert. Ich bekam eine Plattenosteosynthese C4/5. Ich war zu der Zeit mitten im Examen für die Physiotherapieausbildung, deshalb kannte ich mich mit solchen Verletzungen ein wenig aus. Das bedeutet, dass man eine Metallplatte in den Hals geschraubt bekommen. Und zwar von vorne. Der Hals wird vorn aufgeschnitten und die Metallplatte wird verschraubt. Somit ist man erstmal zur Ruhigstellung gezwungen, damit es abheilt. Danach bekommt man eine Reha und dann sollte es, wenn alles gut verläuft, keine Einschränkungen haben. Ich war 10 Tage im Krankenhaus. Für die Verplattung benötigt man ein Stück Knochen, welches von der Hüfte entnommen wird (als Bandscheibenersatz).
Verrückt, was alles möglich ist.
Ein grosses Dankeschön an die heutige Medizin und die tollen Mitarbeiter des Krankenhauses in Plau am See.

Ihr habt mein Leben gerettet!!!

Wieso ich das alles so ausführe?

Es war ein riesiges Trauma für mich. Danach verletzte mich eine Physiotherapeutin in der Behandlung so sehr, dass mein Rückenmark einen Schaden nahm und ich plötzlich meine Beine nicht mehr richtig spürte. Ich hatte solche Angst noch im Rollstuhl zu landen…Und mein Arm war sowieso teilweise gelähmt durch den Unfall… Ich lernte alles mit dem linken Arm und der linken Hand zu machen.
Nach 6 Monaten aber schaffte ich es den Arm wieder zu bewegen und auch das Rückenmark erholte sich.
Gott sei Dank! Ich war so erleichtert!

Es war ein Zeichen für mich. Es sollte passieren!

Es war unglaublich wichtig für meine Entwicklung, dass dieser Unfall geschah. Ohne dieses Erlebnis wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin – die Frau, die ich dadurch geworden bin. Ich habe verstanden, dass das Mitfahren auf dem Motorrad eine reine Ego-Geschichte war. Ich fand mich ziemlich sexy auf dem Ding.
Was aber bringt einem das?
Es war eine Lehre.
Das Schicksal hat mir den Weg gezeigt.

Ich weiss dadurch, wie schnell das Leben eine ganz andere Wendung nehmen kann.
Es kann unfassbar schnell sogar komplett vorbei sein.

Wir können uns so glücklich schätzen mit dem, was wir haben

Dankbarkeit. Dankbar zu sei ist so wichtig. Damit zeigst du nämlich, wie glücklich du dich schätzen kannst. Es sind eben genau die Dinge, die uns so „normal“ vorkommen. Du kannst laufen, denken, fühlen, sehen, riechen, schmecken? Holla! Das sind eine Menge Dinge für die du bereits jeden Tag dankbar sein kannst.

Damit meine ich nicht, dass wir jetzt ständig für jede Kleinigkeit Dankbarkeit aussprechen müssen. Das ist nicht notwendig. Es hilft jedoch sehr jeden Tag eine kleine Dankbarkeitsroutine auszuüben.

Wie?

Also ich schreibe jeden Tag fünf Sätze auf mit Dingen, für die ich dankbar bin.
In meinem vorherigem Blogartikel findest du dazu noch weitere Ideen.

„When a person doesn’t have gratitude, something is missing in his or her humanity.“

Elie Wiese

Danke für`s Lesen
Wofür bist du heute dankbar? Schreibe es in die Kommentare!

L O V E,
Cathy

Back on the bike – Vietnam 6/21

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